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Mittwoch, 13. Februar 2013

Schwimmvideos krelli

Da heutzutage alle Handys recht gute Kameras eingebaut haben, könnt ihr damit auch sehr einfach Schwimmstilanalysen durchführen. Zur Auswertung kennt ihr bestimmt den ein oder anderen guten Schwimmer in eurem Freundeskreis.

Anbei ein kleines Beispiel von mir, aufgenommen direkt nach dem Training von Thomas, unserem Schwimmtrainer beim VFL Nürnberg.


Von der Seite schaut es eher unspektakulär aus. Die Wasserlage ist ganz gut (erkennt ihr daran dass der Hintern auf der Wasseroberfläche ist), aber konzentrieren wir uns lieber auf die Probleme:

1. die Hand verlässt zu früh das Wasser - sie sollte immer erst auf Oberschenkelhöhe herauskommen. Damit verschenke ich jedes mal gut 10-20cm zusätzlichen Druck, der mich nach vorne bringt. Korrektur: betonte hintere Druckphase und Daumen etwas gespreizt, der jedesmal erst den Oberschenkel berühren muss, bevor er aus dem Wasser geht.
2. leichter Scherenschlag beim Einatmen - bremst einfach. Korrektur: große Zehen berühren sich beim Einatmen
3. Fußgelenke sind in gewissen Phasen nicht gestreckt - bremst ebenfalls. Korrektur: mit Flossen schwimmen um Fußgelenke zu dehnen
4. Arm ist zu gestreckt beim Eintauchen - damit platscht der Arm oft auf Ellenbogengelenkhöhe ins Wasser und bremst. Es sollten immer die Finger zuerst eintauchen. Korrektur: Einarmig oder Abschlag schwimmen um sich besser auf den Armzug konzentrieren zu können und auf frühere Eintauchphase achten.


Von vorn sieht man plötzlich ganz andere Dinge. Hier fällt auf dass der die Unterarme zu weit nach außen gehen in der Überwasserphase. Das bringt den Körper ins Schlingern. Winkel Ober- und Unterarm sollte sehr spitz sein, dann bleibt der Schwerpunkt in der Mitte. Korrektur: Fingerschleifen auf der Wasseroberfläche in der Rückholphase des inaktiven Arms und dann ohne Ausweichbewegung direkt nach vorn.

Es gibt bestimmt noch einiges mehr was man entdecken könnte, aber das war zumindest ein kleiner Abriss. Und wie gesagt. Das könnt ihr problemlos selber machen. Erst wenn man die Fehler kennt, kann man sie abstellen. Gerade beim Schwimmen, wo man sich während des Schwimmvorgangs nicht selber sieht.

Grüße
krelli

Montag, 10. September 2012

Wiedereinstieg ins Schwimmen


Foto: Michael Rauschendorfer
Nachdem ich jetzt ganze 3 Monate keinen einzigen Meter geschwommen bin, ist es heute abend an der Zeit wieder loszulegen. Unmittelbar nach der (Saison)pause ist es wichtig nur kurze Abschnitte zu schwimmen, weil sonst sich sonst nach einigen hundert Metern eine schlechte Technik einstellt, und alles was man übt ist unsauberes Schwimmen. Gerade nach einer längeren Pause ist der Körper empfänglich für neue Bewegungsmuster. Daher schwimme ich anfangs nur 25m Intervalle, in diesen versuche ich dafür aber die Technik so gut wie nur irgend möglich auszuführen. Die Pausen dazwischen gestalte ich so lange, dass ich jedes weitere Intervall wieder ausgeruht angehe. Ich achte besonders auf den hohen Ellenbogen unterwasser und einen stabilen Rumpf. Begleitend dazu absolviere ich Trockenübungen auf meiner Chuck-Norris Schwimmbank um auch dort den hohen Ellenbogen zu üben und diesen Bewegungsablauf mit hunderten von korrekten Wiederholungen ins Hirn einzuhämmern.

Früher glaubte ich dass besonders die Wasserlage und die Stromlinienförmigkeit der ausschlaggebende Punkt ist. Inzwischen hat sich meine Meinung dazu geändert. Um richtig schnell schwimmen zu können braucht ihr vor allem Druck in der Unterwasserphase. Das fängt mit dem Wasserfassen der Hand und dem Erfühlen des Wasserwiderstandes an, geht mit dem Anstellen des Armes (hoher Ellenbogen) weiter, woraus ihr letztlich euren Körper nach vorn "ziehen" könnt, indem ihr optimal den Wasserwiderstand nutzt. Erst dann kommt ihr auf Geschwindigkeiten, bei dem sich ein Feilen an der restlichen Technik lohnt.

Johnny Weißmüller in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts
 
Quelle: Library of Congress Prints and Photographs Division Washington, D.C. 20540 USA
Zur Veranschaulichung: Johnny Weißmüller ist in den 20er Jahren mit einer Technik die heutzutage unter "Wasserballkraul" bekannt ist, also mit dem Kopf über Wasser!!, eine Zeit von 58 Sekunden über 100m geschwommen. Also von der Schwimmtechnik her mehr als fraglich, aus heutigen sportwissenschaftlichen Erkenntnissen. Denn ihr wisst, wenn der Kopf aus dem Wasser geht, sinken automatisch die Beine ab. Was zu einer außerordentlich schlechten Wasserlage führt. Trotzdem erreichte er diese, selbst für heutige Maßstäbe, sehr schnelle Zeit und ließ damals all seine Konkurrenten hinter sich.

Mehr als 50 Weltrekorde stehen für ihn zu Buche und in keinem seiner offiziellen Rennen ist er jemals geschlagen worden. Er war damals der erste Schwimmer der die Wichtigkeit des hohen Ellenbogens in der Unterwasserphase erahnt und ausgeführt hat. Ich wage mal zu prognostizieren, dass selbst heute, nach fast 100 Jahren, sich 98% aller Schwimmer an dieser 100m Zeit die Zähne ausbeißen.

Und jetzt mal ehrlich, mit diesem Baumwollanzug den er da trug, hat ihn das mindestens nochmal 2-3 Sekunden auf die 100m gekostet. Andere erschwerende Umstände die diese Zeit noch beeindruckender erscheinen lassen, waren zum einen, dass der Startsprung wie wir ihn heute kennen, damals eher an einen Bauchklatscher erinnerte, und zum anderen dass Freibadlängen von 100 Metern und mehr nicht ungewöhnlich waren. Bis in die 30er Jahre stand ein Nürnberg ein Freibad von 200! Metern Länge. Damit ist natürlich der Vorteil von Wenden nach 50 Metern, wie sie heute üblich sind und die Zeiten weiter beschleunigen, früher schlichtweg nicht zum Tragen gekommen.

haut rein!
krelli